WS News

05.12.2017
#wallerdelmese: Paolo Grossi | November 2017 _ CHAPTER 2

Das ist Paolo Grossi, unser Waller des Monats November.

"Bevor ich Schauspieler wurde, war meine Berufserfahrung weit entfernt von dem, was ich heute bin.In meiner zukünftigen Position als „künstlerischer Direktor” werden mir wahrscheinlich die Zeiten in den Sinn kommen, in denen ich Kosten- und Masterpläne von Firmen analysierte.
Doch mein Dasein als Träumer katapultiert mich ohne Ängste und mit viel Tatendrang in dieses neue Abenteuer.
Ich stelle mir einen öffentlichen Raum vor, der allen aus den verschiedensten Kunstrichtungen zur Verfügung steht: Theater, Kino, Konzerte aber auch Kurse, Ausstellungen und Treffen.
Mit der Zeit würde es mir gefallen „Spazio Costellazione” auch für junge Theater- und Tanzkompanien zu eröffnen und ihnen die räumlichen Möglichkeiten zu geben, ihre neuen Projekte einzustudieren und zu verwirklichen.
Die größte Herausforderung für mich ist sicher die Organisation einer Theaterserie.
Ich bin mir im Klaren, dass die monetären und organisatorischen Möglichkeiten dieser neuen Räumlichkeit begrenzt und dass sie schwer mit anderer, in der Stadt vorhandener Akteure vergleichbar sind, aber mit Methode arbeitend und ohne übertreiben zu wollen, bin ich sicher, dass sich hier etwas Zufriedenstellendes bewerkstelligen lässt.
Mein Wunsch ist es im Zeitraum zwischen September und Juni 4 bis 5 Theateraufführungen zu organisieren. Es soll ein Raum werden, der nicht danach strebt alles richtig zu machen, sondern Freiraum für Fehler lässt.

Das erste Modul für Schauspielkunst in der Akademie „Paolo Grassi” wird von einem Japaner geleitet, den alle StudentInnen fürchten. Um uns anzuspornen, sagte er immerzu “Du liegst perfekt falsch” und noch heute muss ich bei künstlerischen Prozessen an diesen Satz denken.

Was mache ich in meinem Leben? Schauspieler. Die Arbeit des Schauspielers ist unbeständig.
Hier eine lustige Anekdote, die aber den Umstand perfekt wiederspiegelt: Nach einer Wiederholung der Aufführung „Der Diener zweier Herren” eine VBB – Produktion unter der Regie von Leo Muscato, standen wir Schauspieler jungen Bürgerinnen und Bürgern Frage und Antwort. Die erste Frage war: „Ist das eure Arbeit oder euer Hobby?”

Mit dem Teatro Stabile Bozen habe ich an der ersten Aufführung der Regionalen Kompanie teilgenommen. Wir haben an „La Cucina” von Arnold Wesker unter der Regie von Marco Bernardi gearbeitet. Es wurde eine Liste der Schauspieler der Region gemacht, die in diesem dreijährigen Projekt die Möglichkeit haben unter der Regie von drei verschiedenen Personen zu arbeiten. Bernardi im letzten Jahr, Parvidino mit der Aufführung von “Il senso della vita di Emma” dieses Jahr und in der nächsten Saison mit Serena Sinigaglia, die “Macbeth” von William Shakespeare auf die Bühne bringen wird.

Das Wort, dass ich für A-Z wähle und das für mich die Kreativarbeit umschreibt ist Mut. Es handelt sich um eine notwendige Charaktereigenschaft, um sich dieser Arbeit anzunehmen. Um sich dieser Welt anzunähern, muss in dir eine Dringlichkeit und ein Bedürfnis vorherrschen, die dich den ersten Schritt machen lassen. Das Geld ist zweitrangig, zuerst braucht es einer Dringlichkeit und dann Mut, um dieses Bedürfnis in deine Kunst umzuwandeln. Ich bin mir im Klaren, dass ich manchmal nicht genug Mut habe.
Es kommt vor, dass ich mit anderen Schauspielern und Regisseuren rede und ihnen erzähle: „Ich würde mich gerne in der Regie, in der Dramaturgie versuchen” und alle sagen mir: „Mach es”. Ich blockiere mich selbst, weil ich mir noch zu viele Fragen stelle. Fragen, die einem Angst machen könnten: Wie viel Geld haben wir zur Verfügung, um eine Aufführung zu planen? Wo können die Proben stattfinden? Welche Schauspieler kann man einbinden? Wieviel Zeit soll auf das Projekt verwendet werden?
Dann sind da noch all die anderen Fragen, die hervortreten, sobald man die Aufführung aufgestellt hat: Wieviel sollen die Tickets kosten? Wo soll die Premiere stattfinden? Für wie viele Abende können wir das Stück aufführen? Kann das Stück auch in anderen Räumlichkeiten aufgeführt werden?
Und wenn ein Schauspieler vom Kino oder einem anderen Theater abgeworben wird? Es braucht viel Mut.

Ich habe mich bei der Wall eingeschrieben, weil es sinnvoll ist. Ich denke die ARBEIT im Kunstsektor entspringt vor allem der Inspiration, durch ein Gespräch, bei einer Tasse Kaffee, beim Anblick eines Fotos, durch neue Bekanntschaften. Diese Inspirationen zu finden ist komplex und die Wall kann dabei ganz bestimmt behilflich sein.
Im Moment habe ich noch keine Mehrwertsteuernummer. Einige römische Kinoproduktionen und einige Agenturen setzen diese bei uns Schauspielern voraus. Bis jetzt habe ich als Angestellter oder mit Honorarnote gearbeitet. Auch daher gibt es wenig Garantien für die Zukunft.