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19.07.2017
#wallerdesmonats: Bertand Risè | July 2017

Das ist Bertrand Risè, der Waller des Monats Juli. Er hat sich der Musik und dem Eventmanagement verschrieben.

Hier findet ihr das Fotoshooting mit Bertrand.

Wall: Einen schönen Nachmittag Bertrand. Erzähle uns doch etwas über Dich und wie Deine Projekte bisher laufen. Du organisierst ja musikalische Events, wie hat das begonnen?
BR: Ich bin Bertrand Risè, ein Kreativer unter verschieden Aspekten. Ich habe schon sehr jung begonnen, Musikevents zu organisieren. Schon als Kind habe ich Feste gemanagt. Wir haben das Kassettenradio angeschaltet, sind in den Laden gegangen, um Getränke zu besorgen, und haben die Rechnung auf die Mama ausstellen lassen. Mit 14 Jahren habe ich versucht, einen Treffpunk für alle in meiner Garage zu schaffen. Dort ist immer viel passiert. Viele Leute aus Bozen mit italienischer Muttersprache kamen, um hier ihre Zeit zu verbringen. Das allein war schon etwas Besonderes. Hier haben wir schöne Momente des gegenseitigen Austauschs miteinander verbracht, ein schöner Mix beider Südtiroler Kulturen. Ich habe mich frei gefühlt, etwas zu unternehmen.
Mit 15 Jahren bin ich dann auf die höhere Waldorfschule in Bozen gegangen. Der Aufenthalt dort hat mich geprägt. Es hat mir sehr gefallen. Die Ausbildung konzentrierte sich auf das Individuum, und unterstützte und entwickelte die kreativen Seiten der Personen. Einmal sollten wir ein Projektthema auswählen, das ein gesamtes Jahr dauern sollte; und jeder sollte dieses Projekt verwirklichen, und am Ende eine kurze Hausarbeit dazu schreiben. Ich wählte die Aufgabe, ein musikalisches Benefizfestival zu organisieren. Mit den Ratschlägen des damaligen Direktors Del Mosquito, der Hilfe von Freunden und der Unterstützung der OEW, organisierte ich mein erstes Festival mit 15 Jahren. Von da an wusste ich, was ich in Zukunft gern machen möchte. So hat Alles angefangen. Das Festival wurde auch im Folgejahr wieder organisiert. Die Teilnehmerzahl hatte sich mit gut 1200 Personen verdoppelt und wir konnten 5500 Euro sammeln.
Mit 18 Jahren habe ich begonnen zu singen. Gemeinsam mit meinen Freunden haben wir die 'Shanti Powa' gegründet. Nach dem Schulabschluss bin ich nach London gegangen, wo ich Event Management studiert habe. Nebenbei habe ich allerdings immer auch Veranstaltungen organisiert und Songs im Südtiroler Dialekt im Rahmen von Benefizkonzerten gesungen. Kunst habe ich noch nie gemacht, um Geld zu verdienen.
Während des Studiums suchte ich mir Gelegenheitsjobs, um meinen Unterhalt zu verdienen. Nach dem Londoner Studium, bin ich zurückgekommen, und habe begonnen, mit der Band 'Shanti Powa' wesentlich ernsthafter zu arbeiten. Ich bin der Manager der Gruppe geworden. Wir haben begonnen, wesentlich mehr zu proben und zu spielen. Unser erstes Album ist sofort in Europa eingeschlagen und gewinnt immer noch stetig an Beliebtheit. Den größten Anteil meiner Zeit widme ich mittlerweile dem Projekt 'Shanti Powa', als Manager, aber auch Sänger und Musiker.

Wall: Wie arbeitest Du? Hast Du eine Steuernummer?
BR: Ja, in der Zwischenzeit habe ich eine Steuernummer gemacht, auch um gelegentliche Arbeiten ausführen zu können.

Wall: Was würdest Du gern tun und Denkst Du, deine Lieblingstätigkeit, wäre in Südtirol machbar?
BR: Mein Traum und Ziel ist es, alternative Musik zu Orten in Südtirol zu bringen, wo sie normalerweise nicht vorhanden ist, oder wo wir normalerweise nur Volksmusik hören: Alpenhütten, Wohnhäuser, Bauernhöfe, Orte, an denen man sich normalerweise nicht mit Live-Musik beschäftigt.
Langsam bewegt sich etwas, ich bleibe hier auch und vor allem wegen meiner Band. In Südtirol ist die Organisation von Events keine gewinnbringende Beschäftigung, aber ich bin optimistisch. Die Städte werden immer teurer, deshalb kann ich mir vorstellen, dass früher oder später sich auch in den Vorstädten etwas bewegen wird. Musik und die Festivals benötigen auch ein vorteilhaftes Umfeld. Ich hatte in der Vergangenheit nicht wenige Probleme mit verschiedenen Bürgermeistern, die die Festivals nicht in ihren Orten haben wollten. Bei der Organisation von Benefiz-Festivals ist es mit den Genehmigungen, der Bezahlungen der Gruppen, Terminverschiebungen, etc. meist noch schwieriger… man denkt eben zweimal darüber, nach bevor man so etwas organisiert. Ich bleibe optimistisch und arbeite unaufhörlich, weil ich an meine Arbeit glaube. Eine gewisse Szene gibt es schon, das unterstützt die Entwicklung junger Musiker.

Wall: Was denkst Du fehlt in Südtirol und was ist hingegen schon vorhanden?
BR: Südtirol ist ein strategisch guter Ort im Herzen Europas: schön und der Kunst in einem gewissen Sinn zugeneigt. Wenn man Musiker zu uns einlädt, sind sie fasziniert und, verglichen mit London, sind die Lebenshaltungskosten hier nicht so hoch. Es gibt viel Potenzial und jede Menge Kreative mit viel Talent. Leider wandern jedoch viele aus. Ich wünschte sie blieben hier, oder besser noch, kämen aus dem Ausland zurück und brächten andere Kreative mit, um zu Kreieren und zu Bereichern. Südtirol weist unglaublich viele Talente in den Bereichen Kunst, Musik, Design, Film und Kino auf. Vielleicht gerade deshalb, weil die Kreativschaffenden ins Ausland gegangen sind, Anderes kennengelernt und Vieles wieder mit zurückgebracht haben. Auch ich selbst habe Ideen für unsere Musik aus dem Ausland mitgebracht und das inspiriert wieder viele neue junger MusikerInnen. In Bozen wäre ein Kulturzentrum nötig, das die Musik und die damit verbundene Kunst ernst nimmt und über die Tätigkeit der Jugendzentren hinausgeht. Wenn es existieren würde, bin ich sicher, würde es auch Kreative von außerhalb anziehen.

Wall: Nehmen wir mal an, Du würdest DAS Event der Events organisieren wollen, um was genau würde es sich handeln?
BR: Sicher ein großes Festival mit kostenlosem Eintritt auf allen Wiesen der Talfer, mit vielen MusikerInnen, unter ihnen Manu Chao. Auch mit etwas Jazz dabei. Die öffentliche Verwaltung könnte sich der Sache annehmen. Das wäre auch in ihrem Interesse, da die Stadt wesentlich an Appeal gewinnen würde.

Wall: Wie Du seit einiger Zeit weißt, realisiert Weigh Station die Sensibilisierungskampagne A-Z über kreative Arbeit, welches Wort wählst Du?BR: Mein Wort ist ZUKUNFT: ich denke immer daran, sie ist immer da. Andererseits organisiere ich, also plane ich immer zukünftige Geschehnisse. Ich denke auch an meine eigene Zukunft. Ich habe bereits viel geschafft und sinne manchmal darüber nach, wie ich das am Besten nutzen kann. Meine Gedanken über unsere Band sind immer in die Zukunft gerichtet: das nächste Album, die nächste Tour,… das alles muss von mir organisiert werden. Der nächste Schritt ist immer schon in Planung.

Wall: Was ist mit Deiner Band 'Shanti Powa', wohin geht die Reise? Was sind die nächsten Projekte?
BR: Die 'Shanti Powa' geben zurzeit das dritte Album heraus, wir haben eine Crowdfunding-Kampagne auf 'Music Raiser' gestartet, um die sich alle 12 Bandmitglieder kümmern. Jeder von uns hat ein kreatives Surplus. Jeder hat andere Fähigkeiten im Bereich Kunst und Kreativität. Wir machen alle ein bisschen alles und gehören zu denjenigen, die in Südtirol geblieben sind. Wenn ein Kreativer sein Projekt gefunden hat, kann er hier glücklicher sein als anderswo.

Wall: Wir sind neugierig: suchst Du gerade Arbeit? Seit einiger Zeit bemerken wir, dass Du super beschäftigt bist…
BR: Um die ehrlich zu sein, manchmal führe ich Bewerbungsgespräche für eine Festanstellung, da mich die Panik packt. Dann nehmen sie mich nicht, und ich sage mir "zum Glück". Tatsächlich bewerbe ich mich manchmal, weil ich vergesse dass es Millionen von Möglichkeiten auf der Welt gibt. Es reicht einen Moment hinauszugehen, mit Jemandem zu sprechen, dich zurück ins Rennen zu begeben und Du bist von Neuem glücklich. Hier lebt man gut, man ist in Europa und kann von Zeit zu Zeit auch anderswohin gehen, deshalb bin ich glücklich mit 'Shanti Powa', wo auch immer zu spielen.

Wall: Was hat Dich an Weigh Station beeindruckt? Warum hast Du Dich bei der Wall eingeschrieben?
BR: Südtirol entwickelt sich gut, es fehlt nur ein bisschen Aufmerksamkeit von den Behörden und ein Bozner Kulturzentrum, das anzieht. Aber schon mit der Weigh Station bewegt sich Einiges. Ich habe mich bei der Wall eingeschrieben, um meine Sichtbarkeit zu erhöhen. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Projekten. Ich organisiere nicht nur Musikevents sondern jede Art von Veranstaltung. Es würde mir gefallen von meiner Arbeit leben zu können. Im Moment ist das schwierig, da wir bisher den größten Teil der Einnahmen mit der Band auch in diese wieder investieren. Als Musiker fühle ich mich hier sehr wohl. Ich werde ernst genommen und man kennt mich. Auch die Institutionen schätzen mich. Ich kann viele Dinge tun, habe Festivals von A bis Z organisiert und kenne alle Aspekte und Schwierigkeiten.