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05.07.2018
WS Call focus on > ARTE IN RETE

Schön, dass ihr so zahlreich am Ws call teilgenommen habt. Wir haben viele interessante Projekte erhalten, die wir leider nicht alle prämieren konnten. Aus diesem Grunde werden wir euch einige davon vorstellen und hoffen, dass diese auch ohne unsere Unterstützung so bald wie möglich realisiert werden können. Unsere Giulia hat sie interviewt. Ihre Geschichten findet ihr unter “WS Call focus on”.

ARTE IN RETE

Mattia Franceschini + Stefania Segatta + Mirko Piffer

 

Ich fahre nach Trient, um mich mit Mattia Franceschini zu treffen. Mattia hat gemeinsam mit Stefania Segatta und Mirko Piffer das Projekt Arte in rete beim WS Call vorgestellt. Ihre Idee besteht darin, ein Online-Magazin für satirische Karikaturen mit Beiträgen verschiedener Künstler zu gründen. Darin wollen sie vor allem das Thema Zensur in Kunst und Kultur ansprechen und einen konstanten Austausch mit den Lesern fördern. Wir setzen uns in eine kleine Bar und beginnen unser Gespräch.

Woher kommt euer Wunsch, euch mit diesem Thema auseinanderzusetzen?

Von einer persönlichen Erfahrung, die ich gemacht habe. Stefania habe ich damals kennengelernt, als das Studio d'Arte Andromeda von Trient, bei denen ich Partner bin, mir mitteilte, dass der Tourismusverband von Verla di Giovo einen Designer sucht, der einen Comic für ein Fest zeichnet. Sie arbeitet dort und so lernten wir uns kennen. Offensichtlich war sie zufrieden mit meiner ersten Arbeit, denn sie gab mir auch weitere Aufträge und wir gewannen auch eine Ausschreibung. Vom 30. Juni bis 6. Juli findet am Bahnhof die Veranstaltung "Staziona a Trento" statt, für die wir Events und Ausstellungen organisiert haben. Und genau hier ist die Verbindung zu unserem Projekt. Bei dieser Veranstaltung wird auch eine meiner satirischen Karikaturen im Wartesaal ausgestellt. Um auf den Punkt zu kommen: Ich hatte meine Karikatur bereits fertig, als Centostazioni mir mitteilte, dass sie nicht in Ordnung ist: Sie hielten sie für beleidigend. Natürlich habe ich alles überarbeitet, aber das war schwierig: Meine Arbeit sollte witzig sein, aber gleichzeitig musste ich meine Art von Humor unterdrücken.

In welchem Sinne beleidigend?

Ich habe die klassischen Bahnhof-Stereotypen dargestellt, die ein wenig eigenartig sind... Seien wir ehrlich, niemand würde seine Tochter um Mitternacht zum Bahnhof schicken und dafür gibt es Gründe. Die Satire ist unbequem, weil sie wahre Dinge anspricht. Sie geht Probleme locker an, aber sie bringt uns zum Nachdenken. Sicher, Humor ist sehr subjektiv, aber an dem Tag war ich wirklich enttäuscht! Meiner Meinung ist künstlerische oder kulturelle Zensur in jeder Form inakzeptabel. Als Stefania vom Call hörte, rief sie mich an und sagte mir: "Es werden Projekte gefördert und ich möchte im Bereich Zensur und freie Kunst aktiv werden, bist du dabei?“ Da ich ein sehr ruhiger Mensch bin, war meine Reaktion für Stefania wahrscheinlich unerwartet: Ich habe sofort zugesagt.

Wie seid ihr dann vorgegangen?

Anfangs war es schwierig, unsere Ideen in etwas Konkretes umzusetzen. Ich war von Anfang an auf das Web fixiert, während Stefania sich eher für öffentliche Kunst interessierte. Sie dachte mehr an Werke, die in der Stadt ausgestellt sind - aber damit wären wir vermutlich wieder in irgendeine Form von Zensur geraten. Schließlich haben wir verstanden, dass uns das Internet die Freiheit bietet, Kultur und Kunst von jeglichen Vorurteilen und Konventionen zu befreien. Vielen Karikaturisten liegt dieses Thema am Herzen: Die Möglichkeit, frei von festen Konventionen tätig zu sein.

Also soll auf der Website nicht eine Linie verfolgt werden, weil jeder seinen eigenen Stil hat?

Ja, sagen wir, der gemeinsame Nenner ist die satirische Sprache, nur darauf bauen wir auf. Bei sozialen Problemen sind Komiker immer die ersten, die verschwinden – das "Lachen" macht vielen Angst, die Menschen nehmen alles todernst. In unserer heutigen Gesellschaft bilden sich immer wieder Gruppen, die bestimmte Denkweisen oft gewaltsam unterstützen – sowohl physisch als auch verbal. Darum denke ich, dass Satire und Kunst selbst bei trivialen Themen eine wichtige Rolle spielen. Diese entstehen nämlich, sobald Menschen eigenständig denken und nicht einfach der Masse folgen. Humor zeigt, wie lächerlich bestimmte Einstellungen sind. Aufgabe der Satire ist es, gnadenlos über alles und jeden zu scherzen. Nichts ist demokratischer als Lachen!

Wir hoffen, dass ihr euer Projekt umsetzen könnt. Was, wenn euch jemand zum Essen einladen möchte?

Ich bin sehr kontaktfreudig und unkompliziert, am besten Pizza ohne Besteck. Oder ein Grillabend bei mir Zuhause!

 

Interview: Giulia Calò