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29.06.2018
WS Call focus on > FUSILLY SHOW

Schön, dass ihr so zahlreich am Ws call teilgenommen habt. Wir haben viele interessante Projekte erhalten, die wir leider nicht alle prämieren konnten. Aus diesem Grunde werden wir euch einige davon vorstellen und hoffen, dass diese auch ohne unsere Unterstützung so bald wie möglich realisiert werden können. Unsere Giulia hat sie interviewt. Ihre Geschichten findet ihr unter “WS Call focus on”.

FUSILLY SHOW

Margherita Polo + Matteo Marzano + Livia Romano + Ayyoub El Hilaa + Simone Lanera

Vor der Uni treffe ich mich mit Margherita Polo und ihrem Hund Prisma. Zusammen gehen wir zu einer Bar bei den Talferwiesen. Sie, Matteo Marzano, Livia Romano, Ayyoub El Hilaa und Simone Lanera sind Mitglieder der Gruppe „Fusilly“. Gemeinsam haben sie das Projekt Fusilly Show bei der WS Call vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine abwechslungsreiche Show mit verschiedenen Formen der darstellenden Kunst. Dabei wird mit Ironie auf aktuelle Themen eingegangen. Die Zuschauer werden aktiv miteinbezogen, entweder direkt als anwesendes Publikum oder von Zuhause aus über Streaming. Es ist eine Show, bei der der Zuschauer aktiv mitmachen und anspornen soll.

Zunächst einmal: Wer seid ihr? Was ist euer Spirit?

Wir sind eine recht große und vielseitige Gruppe. Matteo und Livia sind für Schnitt und Regie verantwortlich. Er hat eine unerschöpfliche Energie und versteht uns alle. Wir sind wie die Perlen seiner Halskette und er nutzt diese Verbindung, um neue Ideen zu bekommen. Sie ist präzise, hartnäckig und eine ausgezeichnete Fotografin. Dann gibt da noch Ayyub, der als Location Manager und Fundraiser stets voller Ideen ist. Simone hingegen ist unser positiver und hilfsbereiter Alleskönner und Assistent von Matteo. Dann gibt es mich und weitere Schauspieler wie Max Meraner, die das Projekt nicht mit uns vorgestellt haben, aber trotzdem dabei sein werden. Wir sind eher der kreative Teil, die treibende Kraft. Wir erstellen die Konzepte, helfen aber auch dem Regisseur, unsere Rollen vermischen und überschneiden sich. Und natürlich Lucy, unsere Kostümbildnerin und Visagistin. Ich habe mich im Laufe meines Lebens mit vielen Kunstformen befasst: Zeichnen, Grafik, Animation (vor allem Stop-Motion), Design, Zirkuskunst, Musik und Schauspiel. Und zwar in verschiedensten Städten wie Rom, Barcelona, Mailand und Zürich. Für mich ist es eine Notwendigkeit, mich über kreative Schaffensprozesse auszudrücken.

Wie kam es zur Idee?

Ich denke, das Ganze entstand, weil wir ein buntes Gemisch aus kreativen Köpfen sind. Aber der ursprüngliche Auslöser kommt aus einem von Matteos zahlreichen Notizbüchern, die er ab und zu öffnet und sagt: „Ah! Da bist du ja!“ Kurzum, die Idee wäre eine monatliche Show, die aus mehreren kleinen Showeinlagen besteht, insbesondere mit Stand-Up-Comedians, Musikern und Puppentheater. Diese sind alle durch einen gemeinsamen roten Faden verbunden: dem Alltag.

Wie würde hingegen die (digitale und direkte) Beziehung zum Publikum aussehen?

Wir wünschen uns eine Show, bei der die Zuschauer aktiv mitmachen, vor Ort oder auch online, falls sie nicht anwesend sein können. Wir möchten die Digitalisierung für uns nutzen. Wir würden mit Social Media und Newslettern beginnen, um möglichst viele Menschen einzuladen und Interessierte auf uns aufmerksam zu machen. Dann möchten wir einen Link veröffentlichen, über den sich die Leute live verbinden können. So können sie unsere Veranstaltungen mitverfolgen, durch Live-Chat von zu Hause aus mitmachen und Live-Anfragen stellen. Ich denke da an so eine Art Improvisation: Die Schauspieler haben weder Drehbuch noch Handlung, sie erhalten einfach Input von außen. Vielleicht gibt es da noch einen Moderator am PC, der sozusagen die Rolle des Sekretärs einnimmt. Es könnte ein Pingpong zwischen den Vorschlägen aus dem Publikum und von zu Hause werden. Die beiden vermischen sich dadurch so sehr, dass es es immer schwieriger und lustiger wird!

Erzähl mir mehr über die Themen.

Wir wollen die Kultur der Zeit, in der wir leben, auf eine Weise angehen, die Raum zum Lachen lässt. Momentan werden in Theater und Kunst nämlich eher düstere Töne angeschlagen. Dieses Zeitalter ist etwas düster, könnte man sagen. Das heißt, die Kunst befasst sich mit der Verschmutzung, dem übermäßigen Bevölkerungsanstieg, all den Problemen, die uns umgeben... aber häufig (auch wenn es nicht Aufgabe der Kunst ist, eine Lösung vorzugeben) lassen diese Darstellungen das Publikum sozusagen mit leeren Händen zurück. Denn das Unbehagen wird zwar angesprochen, aber mehr auch nicht.

Ohne Aussicht auf Verbesserung...

Ja, ohne eine zusätzliche Sichtweise. Wenn man das Unbehagen und diese hoffnungslose, depressive Welt, in der wir leben, nur beschreibt, hat man im Grunde nicht einmal Lust, sich aufzuraffen, um etwas zu unternehmen. Das ist kontraproduktiv, besser wäre, die Menschen im Positiven zum Nachdenken zu bringen. Dadurch steigt ihre Handlungsbereitschaft.

Abschließend noch eine oberflächliche, aber wichtige Frage: Wenn euch jemand kontaktiert und vielleicht zum Abendessen einlädt, welches Gericht wäre der perfekte Start?

Also für gewöhnlich esse ich Kaviar, dazu einen Dom Perignon oder einen Moët Chandon, für einen lockeren Abend bin ich nicht anspruchsvoll… Spaß beiseite, ich liebe Gemüse in allen Formen. Wir würden uns einfach so über die Einladung freuen, dass wir eigentlich alles essen würden, sicher schmeckt es super!

 

Interview: Giulia Calò