WS News

22.06.2018
WS Call focus on > WHY NOT

Schön, dass ihr so zahlreich am Ws call teilgenommen habt. Wir haben viele interessante Projekte erhalten, die wir leider nicht alle prämieren konnten. Aus diesem Grunde werden wir euch einige davon vorstellen und hoffen, dass diese auch ohne unsere Unterstützung so bald wie möglich realisiert werden können. Unsere Giulia hat sie interviewt. Ihre Geschichten findet ihr unter “WS Call focus on”.

WHY NOT
Matteo Zoccolo + Francesco Cipollone

Universitätsbar in Bozen. Wir warten auf Matteo Zoccolo und Francesco Cipollone, die uns ihr Projekt Why Not bei der WS Call vorgestellt haben. Das Projekt ist eine Bewährungsprobe für die beiden Studenten in ihrem ersten Studienjahr. Sie sind dabei, ein Musikfestival und einen Ort zu schaffen, dessen alleiniger Zweck es ist, neue Leute kennenzulernen. Es herrscht eine eiserne Regel: Hierher darf man nur kommen, wenn man mit einem Unbekannten kommt, nicht mit Freunden oder alleine. Matteo und Francesco kommen und wir bestellen einen Kaffee.

Erzählt uns von eurem Projekt: Wie kam es dazu? Was war der Auslöser dafür, eure ursprüngliche Idee? Kanntet ihr euch schon vorher?
F.: Die Idee entstand vor allem durch meine Leidenschaft für Musik in jeder Form – ich spiele, höre und lebe die Musik. Ich komme aus Pescara und war letztes Jahr auf dem Primavera Sound Festival in Barcelona. Dabei habe ich mir überlegt, dass es mir gefallen würde, etwas in der Art zu organisieren und so kam es dann zur Idee eines kreativen Festivals. Eigentlich studiere ich Wirtschaft und Management, aber nicht, weil ich glaube, dass dieser Studiengang besonders viel Sicherheit bietet. Im Gegenteil, ich glaube sogar, dass dies absolut nicht zutrifft. Man muss sich wirklich dafür interessieren, wie eine Firma funktioniert und wie man sie führt.
M.: Was uns betrifft – wir kannten uns vorher nicht... Ich komme aus einem Dorf in der Nähe von Biella und studiere Kunst, einen Designstudiengang, also sozusagen das Gegenteil. Ich liebe Fotografie, ich habe mit digitaler Fotografie angefangen und bin inzwischen komplett bei der Analogfotografie gelandet. Gestern beispielsweise war ich sieben Stunden in der Dunkelkammer zum Drucken, mit Infrarotlicht und gefährlichen Chemikalien! Aber, wie gesagt wir kannten uns nicht und...
F.: Es war ein bisschen peinlich...
M.: Ach was, du warst großartig! Ich wusste nicht einmal, wie er heißt, wir haben uns nie getroffen, gar nichts... Irgendwann sind wir uns dann vor der Uni über den Weg gelaufen und er meinte: „Hör mal, möchtest du ein Festival auf die Beine stellen?“ Das war der Anfang.
F.: Es war aber noch eine sehr vage Idee. Wir mussten ein Thema finden, also haben wir uns jeden Tag in der Bar getroffen, um abzusprechen, wie wir vorgehen. Letztendlich haben wir gemerkt, dass viele Leute gern ihren Freundeskreis erweitern würden.
M.: Wenn du zu einem Fest gehst, bist du mit deinen Freunden. Wenn dir jemand interessant erscheint, den du aber nicht kennst, sprichst du ihn wahrscheinlich nicht an, weil du Angst vor der Zurückweisung hast. Auf unserem Festival hingegen hättest du die Erlaubnis, jeden zu „stören“. Es ist gewissermaßen ein Ort, wo du dich für einen Abend etwas unwohl und verloren fühlen kannst.

Dieser Punkt ist interessant: Personen sollen sich unwohl fühlen, aber gemeinsam.
M.: Ja, genau darauf kommt es tatsächlich an: Wir glauben, dass aus unbequemen Situationen sehr schöne Dinge entstehen können. Was ist dieses Unbehagen? Für uns waren die ersten drei-vier Wochen hier an der Uni die schönste Zeit. Damals kannten wir noch niemanden und hatten sozusagen eine Ausrede, um Leute anzusprechen und sie zu fragen, ob sie mal was zusammen unternehmen möchten, immer wieder mit neuen Leuten. In dieser Zeit konnte man dieses leichte Unbehagen nutzen, und genau das wäre der Zweck des Festivals.
F.: Unsere Idee wäre es, die Tickets persönlich zu verteilen, Leute auf der Straße anzuhalten und sie zu unserem Festival einzuladen. Ganz wichtig: wir würden keine einzelnen Tickets ausgeben, sondern mindestens zwei. Mit diesen Tickets musst du dann Leute mitbringen, die du noch nicht kennst. Die Essenz des Festivals ist folgende: Wenn du dich an die Spielregeln hältst, wirst du Spaß haben. Wenn nicht, dein Problem – dann hättest du auch woanders hingehen können. Und wir würden gern eine Community aufbauen, die an das Konzept glaubt. Ein weiterer Punkt, über den wir uns ausgiebig unterhalten haben ist, dass es sich um ein Festival gegen soziale Netzwerke handelt, wir möchten nämlich die positive Dynamik außerhalb des Webs wieder zurückbringen.

Ihr wollt also eine „einzigartige“ Veranstaltung schaffen, bei der man mit neuen Leuten in Kontakt kommen kann?
M.: Genau, und es soll möglichst authentisch sein. Einem Mädchen auf Facebook die Freundschaft anzubieten, schafft kein wirkliches Unbehagen, aber mit einem Ticket auf sie zugehen ist etwas völlig anderes! Unsere wahre Botschaft ist, dass wenn man riskiert, können daraus weit interessantere Dinge entstehen, als wenn man alles vom Bildschirm aus macht. Geht unbequemen Situationen mit offenen Armen entgegen, sie bringen euch dazu, über euren Schatten zu springen und das gibt euch das Gefühl, lebendig zu sein!

Nun noch abschließend: Angenommen, jemand fand eure Ideen interessant und möchte euch kontaktieren, und vielleicht zum Abendessen einladen, um sich mit euch zu unterhalten. Was könnte er kochen, um den Abend bestmöglich in Gang zu bringen?
F.: Pizza, immer... Oder noch besser, Pizza und Bier, die ergänzen sich gegenseitig!

Interview: Giulia Calò