GELD
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    Für uns war es immer noch sein Auto. Auch für ihn. Irgendwie. Er bot es uns an, zum Leihen. Wir hatten uns überlegt, wie wir schneller in die Stadt kommen könnten. Busse fuhren nicht, der Betreiber war ein Privater gewesen und weigerte sich seit einer Woche, den Betrieb aufrechtzuerhalten, genauer gesagt seitdem in den Nachrichten gekommen war, es sei geplant das Geld innerhalb des nächsten Monats abzuschaffen. Daraufhin hatte es besonders von privaten Unternehmen wütende Proteste gegeben und eben Streiks. Wir waren also an diesem kleinen Bauernhof vorbeigekommen, hatten uns kurz besprochen und angeklopft. Es war uns komisch zumute dabei, aber wir wollten es ausprobieren, wollten sehen, ob es funktioniert und wenn ja, wie. Uns öffnete ein Herr mit freundlichem Bauerngesicht und roten Wangen. „Hallo“, begrüßte er uns, „wer seid denn ihr, kommt doch rein.“ Ob wir die Schuhe ausziehen sollten, nein sagte der Mann. Wir setzten uns an den Küchentisch. „Was führt euch zu mir“, fragte er, „Entschuldigung, überhaupt, ich bin der Erwin“, sagte er, wir stellten uns auch vor und gaben ihm die Hand. Es wäre uns schon etwas peinlich, es sei das erste Mal, aber fragen koste doch nichts, habe noch nie etwas kostet und jetzt wohl umso weniger, sagten wir, ob er uns sein Auto leihen würde, um damit in die Stadt zu fahren. Jetzt war es raus. „Klar“, sagte er. Und wir hatten schon die Schlüssel in der Hand. Solche Freizügigkeit hatten wir nicht erwartet. Vielleicht war es nur Glück. Wir sollten das Auto dann bei seinem Bruder abgeben und er gab uns die Adresse. *

    * aus Jörg Zemmler, - papierflieger luft -, Klever Verlag, Wien 2015

    (JZ)
A–Z sul lavoro creativo è un progetto finalizzato alla riflessione pubblica sulle professioni legate alla creatività in Alto Adige a partire dalla definizione partecipata di un vero e proprio glossario.
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